Reisebericht Ontario 2018

Walser Severin, Kanada, 2018

Ontario, soweit das Auge reicht!

Stell dir einmal Kanada vor. Siehst du auch herrliche Berge, endlose Wälder und Seen vor dir? Oder gar einen Bären? Mein Name ist Severin Walser (22), komme aus Laupersdorf SO und darf euch eines Besseren belehren. Was ich beschrieb, trifft definitiv auf Kanada zu und ist für mich noch immer Inbegriff dieses Landes. Ontario ist jedoch flacher als eine überfahrene Flunder. Das war eine der grossen Überraschungen.

Beginnen wir von vorne: Wir schreiben den 26. Mai 2018, Start meines dreimonatigen IFYE-Abenteuers und meiner einjährigen Weltreise! Dieser Tag wird mir nicht als Schönster in Erinnerung bleiben, da der Abschied für ein ganzes Jahr ziemlich hart war. In Toronto angekommen, verflog die Wehmut jedoch rasch. All die neuen Gesichter, Eindrücke und eine andere Sprache bescherten mir eine gute Ablenkung.

Der Austausch in Kanada ist ein ganz spezieller: Der Unterschied zu anderen Programmen ist, dass ich Teil einer Gruppe von sieben internationalen Delegierten angehörte, vertreten waren Australien, Nordirland, Schottland, England, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zusammen reisten wir von „County“ (Bezirk) zu „County“ und somit von Verein zu Verein diverser Landjugenden. Wir wechselten den Ort und Gastgeber wöchentlich. Die Gastfreundschaft war ausserordentlich und alle Beteiligten setzten alles daran eine möglichst gute und abwechslungsreiche Woche zu gestalten.

So besichtigten wir Tierhaltungen aller Art, Milchbetriebe vom Schaf bis zur Kuh, eine Fischzucht, eine Nerz-Pelzproduktion und Kompostherstellung im grossen Stil, Metzgereien, Destillerien, Brauereien, von Nationalparks, Glasbläsereien und sogar Auktionshäuser. An anderen Tagen besuchten wir Museen, Städte wie Toronto und Ottawa, Hanfplantagen, Schiessstände, jegliche Arten von Gemüse-, Obst-, Getreide- und Kartoffel-Farmen, Schokoladenfabriken, Landmaschinenhändler wie auch die Niagarafällen. Eine Fortsetzung dieser Liste würde den Rahmen dieses Berichtes übersteigen.

Ein weiteres Highlight war die “break week”: In der Mitte des Austausches hatten wir eine Woche zur Verfügung, in der kein Programm und keine Gastfamilie vorgesehen war. Als Gruppe entschieden wir uns nach Calgary zu fliegen. Wir besuchten den Calgary Stampede, die grösste und wichtigste Rodeo-Show der Welt. Der Anlass ist eine riesige zehntägige Landwirtschaftsmesse. Zuvor mieteten wir ein Auto und fuhren zum Banff und Jasper Nationalpark. Dies war atemberaubend schön und landschaftlich genau so, wie ich mir Kanada vorgestellt hatte.

Mittlerweile bin ich für 3 weitere Monate durch die USA gereist. Weshalb ich das heraushebe: Die Kanadier betonten immer, dass sie keineswegs wie die Amerikaner seien und dem grossen und einzigen Nachbarn nicht nacheiferten. Ich jedoch konnte kaum einen Unterschied zwischen dem Leben im Süden Ontarios und dem in den USA feststellen. Dasselbe Bildungs- und Gesundheitssystem, dieselbe unausgewogene und stark fastfoodbetonte Küche, eine lausige Wasserqualität, aber zugleich eine sehr offene und herzliche Bevölkerung, dieselbe Mentalität und die schönsten Nationalparks, sobald man das endlos scheinende Flachland hinter sich lässt.

Mittlerweile kehrte ich von meiner Reise zurück. Es blieben die vielen Eindrücke, die Erinnerungen an all die guten Menschen, welche ich kennenlernen durfte, die Persönlichkeitsentwicklung, ein Teil von anderen Mentalitäten und eine grosse Dankbarkeit, das alles erlebt haben zu dürfen. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei IFYE-Schweiz für den unvergesslich tollen und lehrreichen Austausch!